Der Fall Niedermohr

Neutralität hilft dem Unterdrücker,
niemals dem Opfer.
Stillschweigen bestärkt den Peiniger,
niemals den Gepeinigten.

Elie Wiesel,
Träger des Friedensnobelpreises 1986

Die Razzia

Am 20.04.2013 kam es in Niedermohr bei Ramstein zu einer Razzia auf dem Anwesen eines Zoophilen, an diesem Tag ein privates Treffen mit Freunden veranstaltete. Es wurde Geburtstag gefeiert und gegrillt. Angezettelt wurde die Razzia durch die Denunzierungen und Lügen, die vor allem über die Webseite animal-pi (und deren Vorgängerseite bulldog-nachrichten), aber auch von anderen Zoogegnern verbreitet wurden. Zusätzlich angeheizt wurde die Situation durch die gewaltverherrlichenden Äußerungen der inzwischen aufgelösten Gruppierung “Animal Defence Corps“, dessen ehemaliger Vorsitzender Johannes Gerhardt inzwischen als rechter “Reichsbürger” in seiner Heimatstadt Radebeul umtriebig ist.

Zoogegnern war es allen Märchen und Lügen zum Trotz nie gelungen, auch nur ansatzweise etwas ähnliches wie ein Tierbordell nachzuweisen. Monate vorher kursierte unter anderem über den ETN e.V. eine CD mit der vermeintlichen Buchhaltung eines Tierbordelles, die sich aber recht schnell als plumpe Fälschung entpuppt hat. Auch sonst war weit und breit nichts von den vermeintlich hunderten Tierbordellen zu finden, egal wie oft auch große Organisationen wie PETA dieses behauptet hatten (und derzeit für Dänemark wieder behaupten). So  ging man hin, ein privates Treffen, von dem man im Internet erfahren hat, als ein Treffen für Tiersexorgien und Tierpornodrehs in einem Tierbordell zu bezeichnen. Mit Tierschützern aus der Umgegend, die man für diese Lügenkampagne gewinnen konnte, wurde die Polizei zur einer Razzia aufgewiegelt.

Über den Ablauf der Razzia wurde schon an anderer Stelle berichtet. Fragwürdig, dass ein Durch- suchungsbeschluss nicht vorhanden war, dass Tierschützer und Zoophiliegegner wie selbstverständlich mit der Polizei das Grundstück betraten und auch, dass zugelassen wurde, dass es durch Tierschützer zu Beleidigungen und Rangeleien kam. Es wurden Handys, Laptops und Rechner beschlagnahmt und ausserdem auch fünf Hunde und zwei Pferde. Unter den Tierschützern befand sich der sich selbst “Hundeflüsterer” nennende zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Kindsbach Ralf Heieck. Gegenüber den Tierhaltern suggerierte er, er sei Beamter. So sammelte er Visitenkarten ein und zwei der beschlagnahmten Hunde verbrachte er in seinen runtergekommenen PKW, der dann nicht ansprang und angeschoben werden musste. Außerdem log der die Halterinnen der beiden Hunde an, die Hunde würden am nächsten Tag bereits zurückgegeben.

Die beschlagnahmten Tiere

Die beschlagnahmten Tiere verschwanden zunächst. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft konnten Auskunft geben, wo die Tiere geblieben sind. Das Tierheim, in dem sie untergebracht werden sollten, stellte sich dumm und wusste angeblich von gar nichts. Währenddessen wurde in geschlossenen Facebookgruppen von einschlägig als Zoohasser bekannten Personen schwadroniert, dass die Tiere weggeschafft und dafür gesorgt würde, dass diese niemals zurück gegeben würden. Außerdem wurde das Gerücht in die Welt gesetzt, es seien sechs Hunde beschlagnahmt worden, wobei der sechste Hund angeblich unter Drogen gestanden hätte. Dies war eine dummdreiste Lüge ebenso wie die verbreitete Lüge, die Afterregionen der Hunde wären rasiert gewesen.

Die meisten Tiere – vier Hunde und die zwei Pferde – tauchten dann doch wieder auf, wobei anzunehmen ist, dass die Verantwortlichen des Tierheims Kindsbach zunächst über den Aufenthaltsort der Tiere gelogen haben. Jedoch blieb noch für weitere Tage die einzige beschlagnahmte Hündin wie vom Erdboden verschwunden. Die tauchte dann, ohne das die Behörden davon wussten, in  der Universitätstierklinik in Gießen auf, wo sie auf Vergewaltigungsspuren hin untersucht wurde.

Die medizinischen Gutachten zu allen Tieren, sowohl den Rüden [1] [2], der Hündin [3] [4] und auch zu den beiden Pferden [5] waren mehr als eindeutig. Es wurde für alle Tiere bestätigt, dasss sie physisch und psychisch gesund sind und keinerlei Spuren eines Missbrauchs oder Misshandlung festzustellen waren.

Zum Schrecken der Halter war der Zustand der Tiere bei der Rückgabe sehr schlecht. So war einer der Hunde, ein junger Dogo Argentino, aufgrund schlechter Fütterung völlig abgemagert. War er vor der Beschlagnahmung noch ein “propperes Kerlchen”, konnte man danach seine Rippen durchs Fell sehen. Dies ist besonders bitter in Anbetracht der Tatsache, dass die Halterin dem “Beamten” Heieck anbot, einen ungeöffneten 15kg Sack Premiumhundefutter mitzunehmen. Seine Augen waren rot, geschwollen und entzündet, sein After war gereizt (ein Tierarzt vermutete Durchfall aufgrund von schlechtem Futter) und er hatte Bisswunden, die darauf deuten, dass man es zugelassen hat, dass es zu einer Beisserei mit anderen Hunden kamen. Seitdem ist er futterneidisch und lässt keine anderen Hunde in die Nähe seines Napfes. Seine Halterin berichtete zudem, dass er noch lange Zeit an Trennungsangst litt und die ersten Nächte zu Hause nicht zur Ruhe kam, da er ganz offensichtlich Albträume hatte, aus denen er laut bellend aufwachte.

Ein anderer Hund, ein junger Belge Berger, war ebenso abgemagert, hat nach der Abholung auf der Rückfahrt vom Tierheim gezittert und ist fast zusammen gebrochen. Bis Heute hat er Angst, in fremde Autos einzusteigen. Zudem stellte später ein Tierarzt geplatzte Äderchen in den Augen fest, die mutmaßlich vom Würgen z.B. mit eiit einem Würgehalsband kommen.

Sowohl der Dogo Argentino als auch der zweite Hund, der von Heieck mitgenommen wurde, zeigen bis heute auffällige Verhaltensweisen bei korpulenten Männern mit wenig Haaren bzw. Glatze. Man kann nur spekulieren, was der “Hundeflüsterer” mit den Tieren gemacht hat. Fakt ist, dass beide Hunde erst seit der Beschlagnahmung Männer mit seinem Aussehen angeknurren und verbellen.

Besonders schlimm sind die Umstände um die einzige beschlagnahmte Hündin. Wie geschrieben, ist sie tagelang verschwunden gewesen. Beauftragte Tierschützer weigerten sich, Auskunft zu geben und über Tage wussten auch Polizei und Staatsanwaltschaft nicht, wo sich die Hündin befindet. Erst nach und nach kam heraus, dass sogenannte Tierschützer die Hündin auf eigene Faust in die Universitätstierklinik nach Gießen brachten und dort untersuchen ließen. In einem für die Staatsanwaltschaft erstellten Gutachten ließ erschaudern: Um irgendwie einen sexuellen Missbrauch festzustellen, wurde die Vagina der Hündin so lange mit einem Endoskop traktiert, bis sie aus der Vagina blutete. Im Gutachten [4] heisst es dazu lapidar:

Bei der Durchführung der Endoskopie zeigte die Hündin deutliche Abwehrbewegungen, jaulte und setze Urin ab. Im Anschluss daran kam es einmalig zum Austritt von einer geringen Menge frischen Blutes aus der Vagina. Dies scheint eine Folge der Abwehrbewegungen während der Untersuchung zu sein“

An der Stelle bleibt nur der fassungslose Ausruf: Wie weit gehen sogar Tierärzte, nur um etwas nachzuweisen, was nicht existiert! Trotz dieser veterinärmedizinischen Vergewaltigung wurde auch bei der Hündin nichts festgestellt, was auch nur ansatzweise auf einen zoophilen Missbrauch hindeuten könnte.

Interessant ist in dem Zusammenhang die Interpretation durch Zoophiliegegner. Zeigen Tiere wie die Hündin Abwehrbewegungen, ist es ihrer Meinung nach ein Zeichen für Missbrauch. Im Gutachten zu den beiden Pferden ist dagegen zu lesen, dass diese bei den Untersuchungen keine Abwehrbewegungen zeigten. Auch dieses wurde als Zeichen für Missbrauch gedeutet!

Die inzwischen vorliegenden Unterlagen zeigen auch einen anderen Skandal. Das Tierheim Kindsbach hat für die Unterbringung der fünf Hunde für sechs Tage 2.769,42 Euro den Ermittlungsbehörden in Rechnung gestellt [6]. Das entspricht einer Tagespauschale pro Hund von 92,31 Euro und somit dem drei- bis vierfachem, was in Tierpensionen üblich ist. Daher kann man hier durchaus von Abzockerei sprechen.

Die Hetze danach

Aufgewiegelt durch Lügen auf Seiten wie animal-pi und k9-news und durch Facebookgruppen wie „Gegen das Tierbordell in Niedermohr“ kam es in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten zu einer beispiellosen Hetze gegen die Eigentümer des Hofes, auf dem das Treffen stattfand, ab.

Am 13. Juli 2013 wurde von Zoophiliegegnern eine Demonstration im Ort abgehalten. Ein größeres Polizeiaufgebot war nötig, um Ausschreitungen zu verhindern. Die Polizei konnte jedoch nicht verhindern, dass etwas 20 Personen, die teilweise szenetypisch schwarz gekleidet waren, vor dem Anwesen standen und „Wir haben euch was mit gebracht: HASS HASS HASS“ brüllten.

Immer wieder tauchten zu Tag- und Nachtzeiten Personen auf, die das Anwesen mit Müll, Steinen und Gemüse bewarfen. Scheiben wurden eingeschlagen und rechtsradikale Parolen an die Hauswand geschmiert. Selbst die Landstraße zum Ort wurde beschmiert. Nachbarn wurden terrorisiert oder gegen die Hofeigentümer aufgewiegelt. Das ganze gipfelte in der Nacht zum 20. Juli 2013 in einem Überfall von etwa 10 maskierten Frauen und Männern, die sich mit Baseballschlägern in der Hand auf dem Grundstück aufhielten. Die Polizei musste mehrmals in der Nacht ausrücken, um gegen dieses Überfallkommando vorzugehen.

Die ganzen Aktionen liefen darauf hinaus, Psychoterror gegen die Eigentümer des Hofes zu betreiben. Es war Ziel der Zoophiliegegner, die Menschen sozial, finanziell und möglichst auch beruflich zu zerstören. Dieses wurde auch unverhohlen zugegeben.

Fazit – Und was ist geblieben?

Am 10. Oktober 2014 gab die zuständige Staatsanwaltschaft bekannt, dass nun auch das letzte noch offene Verfahren, nach rund 1 ½ Jahren, eingestellt wird. Dass es so lange gedauert hat, lag unbestätigten Informationen nach daran, dass der selbsternannte Tierrechtler und Sammler von Einstweiligen Verfügungen und Strafanträgen Carsten Thierfelder die Ermittlungsbehörden immer wieder mit Aktenordnern voll von sinnfreien und zusammenhanglosen Unterlagen belastete, die er als Beweise gegen die Beschuldigten einreichte. Die Behörden waren gezwungen, dieses Material jedes mal zu sichten, auch wenn es offensichtlich war, dass es sich dabei um Müll handelte.

Jedoch egal, wie viele Lügen auf den einschlägigen Webseiten und Facebookgruppen verbreitet wurden und ebenso egal, wie viele angebliche Beweise bei den Behörden eingereicht wurden, am Ende zeigte sich, dass nichts, absolut gar nichts an den Beschuldigungen dran war.

So kann man letztlich feststellen:

  • es wurde nicht in Richtung eines Tierbordells ermittelt und von behördlicher Seite auch nie ein Verdacht dahingehend ausgesprochen.
  • Die Menschen, die sich am Tag der Razzia dort befanden, haben sich nicht zu einer Tiersexorgie verabredet. Die Staatsanwaltschaft stellt ganz klar fest, dass es keine Hinweise auf sexuelle Akte mit Tieren gibt.
  • Die Staatsanwaltschaft hat auch festgestellt, dass dort keine Tierpornos hergestellt wurden.

Übrig bleibt ein bitterer Geschmack. Menschen mit einer nicht alltäglichen sexuellen Neigung wurden diffamiert, bloßgestellt und nicht nur sie, sondern auch ihre Tiere traumatisiert. Der Tierschutz, wenn man in den ganzen Aktionen überhaupt so etwas sehen kann, hat sich radikalisiert, ist durchdrungen von faschistischen Tendenzen und es ist für Tierschützer ein legitimes Mittel geworden, mit Lügen und Denuntiation Ziele durchzusetzen.

Es zeichnet sich ab, dass die Hardliner unter den Zoophiliegegnern nicht von ihren Lügen ablassen. Dabei kann man es auf einen einfachen Merksatz reduzieren: “Wenn sich zwanzig Homosexuelle treffen, ist das kein Schwulenpuff und wenn sich zwanzig Zoophile treffen, ist das kein Tierbordell.”

Belege:
[1] Medizinisches Gutachten der männlichen Hunde, Seite 1
[2] Medizinisches Gutachten der männlichen Hunde, Seite 2
[3] Medizinisches Gutachten der Hündin, Seite 1
[4] Medizinisches Gutachten der Hündin, Seite 2
[5] Medizinisches Gutachten der Pferde
[6] Berechnung der Auslagen u. a. für das Tierheim Kindsbach